Steine im Netz. Die Kinder der Intifada

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Fototagebuch


Am 8. Dezember 1987 kollidiert ein israelischer Lastwagen mit einem palästinensischen Auto im Gaza-Streifen. Dieser Unfall, bei dem mehrere Palästinenser ums Leben kommen, entzündet eine Welle von Unruhen, die den palästinensischen Aufstand einleiten - die Intifada, der Krieg der Steine.

Die Buben suchten Steine aus, dicke, kantige Brocken. Sie warfen diese auf die Armee der Besatzer, bauten Barrikaden. Wenn ihnen die Soldaten mit Tränengas nachsetzten, machten Fernsehteams davon Aufnahmen. Alle kannten die kleinen Buben des palästinensischen Aufstands. Alle kannten die Kinder der Intifada.

Im Mai 1998 findet unter dem Motto train the trainers ein Fortbildungstraining für palästinensische JugendarbeiterInnen statt. Dieser Trainingskurs entwickelte sich aus einer Kooperation zwischen dem palästinensischen Jugendministerium und der Stadt Wien. Die KursteilnehmerInnen arbeiten in verschiedenen Jugendbewegungen aus dem Umfeld der Fatah Partei. Die Jugendlichen aus dem Westjordanland erzählen von ihren Erfahrungen während der Intifada und ihren Erlebnissen, die sie während des noch andauernden Friedensprozesses gemacht haben.

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I was thirteen years old when the Intifada started. My mother was very afraid of me but she couldn't handle me. She always locked the doors, locked the windows every night. I took the key and went outside. I threw stones all the time.(...) They catched me about eleven times. Once suddenly they came from the back. We ran but I couldn't run away and they catched me. They had sticks and they started to beat me. I was injured and my arm was broken. Then they brought me far away from Tulkarem. (Ihap, 23 Jahre alt)

Während dieses Kurses feiert Israel seine 50jährige Staatsgründung, die von den Palästinensern als Al Nakba -Die Katastrophe bezeichnet wird. Am 14. Mai 1998 finden Massenkundgebungen in ganz Palästina gegen die Besatzung durch Israel statt.

Die KursteilnehmerInnen demonstrieren gemeinsam mit den Bewohnern Tulkarems.
Das palästinensische Fernsehen bringt Sendungen zur Al Nakba: gezeigt werden die Flüchtlingslager, Menschen in Not und israelische Soldaten, die palästinensische Kinder schlagen. Zwischen den Aufrufen zur Demonstration wird Jerusalem besungen, oder Demonstranten gezeigt die einen Treueeid leisten:

Ich schwöre bei Gott,
daß ich Palästina treu bleibe,
ich schwöre bei Gott,
daß ich ganz Palästina
von Unterdrückung und Okkupation befreie.

Von der Demonstration ins Trainingscamp zurückgekehrt, erfahren die KursteilnehmerInnen über das Fernsehen von den Kämpfen in Gaza, bei denen 8 Palästinenser getötet und mehr als 80 Personen verletzt worden waren. Die anfängliche Aufbruchstimmung schlägt um in Zorn, Trauer und Ratlosigkeit - ein schwelender Konflikt.

This happens always. This is not the first time and it will not be the last time. When we have Israelis inside the cities, this will happen. For me it is usual, I knew that it's going to happen. I feel very sorry. (Wafa, 23 Jahre alt)

Entschlossen, ihre Zukunft in einem palästinensischen Staat ohne die Besatzungsmacht Israel selbst zu gestalten, wollen die Jugendlichen am Aufbau ihres eigenen Staates mitarbeiten. Sie scheinen bereit, diesen Weg mit allen Konsequenzen zu gehen.

Aufnahmeformat:   DV
Endformat:            Digi Beta
Länge:                  45 min
Drehzeit:               Mai 1998
Buch:                    Michael Kofler, Egon Humer, Nora Musil
Kamera:                Peter Freiß
Schnitt:                 Karina Ressler
Mitarbeit:              Susanne Guggenberger
Musik:                  Marwan Abado u.a.
Sprecher:              Roland Slaby
Gestaltung:           Egon Humer
Redaktion:            Peter Zurek

Eine Coproduktion von
Egon Humer Film-TV-Medienproduktion
und
3sat

 

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